Magen & Darm beim Pferd – warum „ein Pferd ist kein kleiner Wiederkäuer" mehr ist als eine Floskel
Anatomie, Erkrankungen, Ursachen und naturheilkundliche Begleitung – über 26 Jahre Praxiserfahrung
Pferde haben einen im Verhältnis zur Körpergröße kleinen Magen, können nicht erbrechen und sind auf kontinuierliche Rohfaseraufnahme ausgelegt. Schon kleine Managementfehler wie lange Futterpausen, abrupte Futterwechsel, Stress oder minderwertiges Raufutter können das Verdauungssystem aus dem Takt bringen.
Bei Kolikverdacht gilt immer: sofort Tierarzt rufen.
- Der Pferdemagen ist im Verhältnis zur Körpergröße klein, produziert kontinuierlich Magensäure und ist auf häufige Rohfaseraufnahme angewiesen. Pferde können nicht erbrechen.
- Magengeschwüre (EGUS) sind bei Sport- und Rennpferden sehr häufig beschrieben. Kolik gehört zu den häufigsten Notfällen, und in den meisten Fällen spielen Fütterungsfehler eine Rolle.
- Fütterung, Haltung und Stressbelastung sind die drei zentralen Stellschrauben – nicht „Extras", sondern Grundlagen.
- Der Darm ist mehr als ein Verdauungsorgan: Schleimhautstatus, Mikrobiom und Stoffwechsel beeinflussen das gesamte Tier. Daher betrachten wir im THZ den Magen-Darm-Trakt als zentrales Stellrad vieler Themen.
- Bei Kolikverdacht: sofort tierärztliche Versorgung. Bei chronischen Themen lohnt ein strukturierter Blick auf Ursachen statt symptomatische Einzelmaßnahmen.
Wenn der Tierarzt Magengeschwüre festgestellt hat und behandelt. Dann kommt zuerst das Management: mehr Heu, kürzere Fresspausen, kleinere Kraftfutterportionen. Zur Fütterungsbegleitung, parallel zur tierärztlichen Behandlung: Nehls Magen-Vet für Pferde. Starten Sie mit 500 g, täglich 50 g. Empfohlen sind mindestens acht, besser zwölf Wochen.
Wenn die Verdauung bei Futterwechsel, Anweiden oder Stallwechsel empfindlich reagiert. Dann passt Nehls Attis & Sunnys Magen & Darm Fit, eine getrocknete Kräutermischung. Starten Sie mit 500 g, zunächst 50 g täglich, später 30 bis 40 g. Empfohlen sind zwölf Wochen als Einstieg.
Wenn Sie nicht einordnen können, was dahintersteckt. Wo wir bei Ihrem Pferd anfangen, klären wir im kostenlosen Erstgespräch – telefonisch unter 05642 988 8826. Wer tiefer einsteigen will, nimmt die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" als Ausgangspunkt für einen Begleitplan. (Nicht wissenschaftlich anerkannter Informationstest – ersetzt keine tierärztliche Diagnose.) Geht es um Kotwasser, lesen Sie zuerst unseren Kotwasser-Ratgeber.
Wenn es jedes Jahr wiederkommt. Dann geht es an die Basis. Der Einstieg ist das VetLine Starter-Set Pferd, ein fertiges 6-Wochen-Programm aus Surf and Turf, Entero Clean Liquid und Entero Clean Basic. Welche Regeln wir dabei einhalten, steht weiter unten ↓.
Alle genannten Produkte sind Ergänzungsfuttermittel und ersetzen keine tierärztliche Diagnostik oder Behandlung. Bei Kolikverdacht gilt: erst Tierarzt, dann alles andere.
Warum der Pferdedarm so sensibel ist
Wer Pferde mit Verdauungsthemen begleitet, kommt nicht um die Anatomie herum. Pferde sind in jeder Hinsicht keine kleinen Wiederkäuer und schon gar keine Hunde – ihr Verdauungssystem ist evolutionär auf eine ganz bestimmte Lebensweise zugeschnitten, die mit unseren Haltungsformen häufig kollidiert.
Der Magen – klein, säurereich, ohne Reset-Knopf
Der Pferdemagen ist im Verhältnis zur Körpergröße klein. Ein erheblicher Teil seiner Schleimhaut ist drüsenlos (Pars nonglandularis) und reagiert besonders empfindlich auf saure Belastung. Anders als bei Mensch, Hund oder Katze produziert der Pferdemagen kontinuierlich Magensäure – auch ohne Futter im Magen. In freier Wildbahn ist das kein Problem, weil das Pferd als selektiver Dauerfresser fast permanent kaut und über große Mengen Speichel puffert.
Lange Fresspausen, die in vielen Haltungsformen Alltag sind, kehren dieses Gleichgewicht um: Säure trifft auf leeren Magen, die ungeschützte Schleimhaut im drüsenlosen Bereich wird gereizt. Aus dieser Konstellation entstehen viele der heute so verbreiteten Magengeschwüre (EGUS – Equine Gastric Ulcer Syndrome). Sie sind bei Renn- und Sportpferden sehr häufig beschrieben und kommen auch bei Freizeitpferden und Fohlen vor.
Hinzu kommt: Pferde können nicht erbrechen. Was Mensch, Hund und Katze bei verdorbenem Futter durch Erbrechen entsorgen, muss das Pferd „durcharbeiten". Bei verfressenen Pferden mit großen Kraftfuttermengen droht im Extremfall eine Magenruptur – ein Grund mehr für kleine Kraftfutterportionen.
Der Darm – lang, beweglich, dicht besiedelt
Der Dünndarm des Pferdes ist viele Meter lang. Sein langes Gekröse erlaubt viel Bewegungsspielraum – mit dem Risiko, dass sich Darmschlingen verlagern, strangulieren oder verknoten. Daraus entstehen die gefürchteten Strangulationsileus-Bilder mit hohem Operationsrisiko.
Das Kolon (Dickdarm) fasst ein großes Volumen und ist der eigentliche Ort der mikrobiellen Faserverwertung. Hier leben unzählige Bakterien, Pilze und Einzeller – das Mikrobiom des Pferdes. Dieses Mikrobiom verdaut die Rohfaser, die das Pferd selbst nicht spalten könnte, und produziert dabei kurzkettige Fettsäuren als Energiequelle. Es ist gleichzeitig Schutzbarriere gegen pathogene Keime und ein wesentlicher Teil der Immunkommunikation des Tieres.
Verschiebt sich das Mikrobiom (Dysbiose), entstehen Probleme, die weit über die Verdauung hinausreichen können – Themen, denen wir uns weiter unten zuwenden.
Häufige Erkrankungen im Überblick
Gastritis und Magengeschwüre (EGUS)
Die Magenschleimhautentzündung beim Pferd (Gastritis) und ihre fortgeschrittenere Form, das Magengeschwür (EGUS), gehören zu den häufigsten Verdauungsproblemen moderner Pferdehaltung. Bei einer Gastritis ist die Magensaftsekretion verändert. Dadurch verschiebt sich das pH-Gefälle des Magens, das physiologisch von fast neutral im drüsenlosen Bereich bis stark sauer im drüsenhaltigen Bereich reicht.
Klassische Auslöser sind: lange Fresspausen, hohe Stärkemengen pro Mahlzeit, Stress (mit erhöhtem Cortisol), Schmerzbelastung, intensives Training auf nüchternen Magen, Medikamentengaben (NSAR erhöhen das Geschwürrisiko) und massiver Wurmbefall. Auch reisebedingte Belastung und Stallwechsel können EGUS auslösen.
Typische Symptome: häufiges Gähnen, Leerkauen, unangenehmer Maulgeruch, Müdigkeit, Konditionsverlust, schnelles Schwitzen, Appetitlosigkeit, Abmagerung – und nicht selten unspezifische Rittigkeitsprobleme („das Pferd lässt sich nicht mehr gurten", „beißt nach dem Gurt"). Bei Verdacht ist die Gastroskopie (Magenspiegelung) das diagnostische Mittel der Wahl beim Tierarzt.
Kolik beim Pferd
„Kolik" ist beim Pferd kein Befund, sondern ein Sammelbegriff für schmerzhafte Krankheitszustände des Magen-Darm-Trakts. Sie gehört zu den häufigsten Notfällen, und viele betroffene Pferde erleiden wiederholt Koliken. Unter den Auslösern stehen Fütterungsfehler an erster Stelle, gefolgt von Stress, abruptem Wetterumschwung, Bewegungsmangel, Wurmbefall und Gefäßveränderungen (Thrombosen, Stenosen) durch frühere Larvenwanderungen.
Unterschieden wird unter anderem in:
- Krampfkolik – schmerzhafte Spasmen der Darmmuskulatur, oft stressbedingt
- Gaskolik (Tympanie) – Vergärung und Gasansammlung, häufig nach Wechselbeweidung auf nährstoffreichem Gras
- Verstopfungskolik (Obstipation) – häufige Form, oft an typischen Engstellen wie Beckenflexur
- Sandkolik – durch Sandaufnahme auf abgegrastem Boden; nachweisbar per Auskultation (Abhorchen auf das typische „Meeresrauschen"), Kot-Sedimentationstest oder Röntgenuntersuchung
- Strangulationskolik – Darmverschlingung, Einklemmung, Invagination – immer Notfall
- Magenüberladung / Magenruptur – bei Überfressen oder Magenentleerungsstörung
Bei jedem Kolikverdacht muss unverzüglich ein Tierarzt hinzugezogen werden. Die diagnostische Abklärung erfolgt über Allgemeinuntersuchung, Pulsfrequenz, Schleimhautfarbe, Rektalpalpation, ggf. Ultraschall, Nasenschlundsonde und Bauchpunktion. Eine Kolik-Operation in der Klinik ist teuer und belastend. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh als einmal zu spät anrufen.
Während Sie auf den Tierarzt warten: Pferd ruhig halten, Futter entziehen, keine eigenmächtigen Medikamentengaben ohne tierärztliche Rücksprache, nicht in den Wälzkampf eingreifen außer zur eigenen Sicherheit. Ob Ihr Pferd trinken darf, fragen Sie den Tierarzt am Telefon. Vitalwerte (Puls, Atmung, Schleimhautfarbe) notieren.
Enteritis – akute und chronische Darmentzündung
Bei einer Enteritis ist die Darmschleimhaut entzündet, oft mit massivem Durchfall und damit verbundenem Wasser- und Elektrolytverlust – bei schwerer Verlaufsform verlieren Pferde große Mengen Flüssigkeit. Akute Enteritiden können milde verlaufen, in schweren Verlaufsformen ist auch bei intensiver Infusionstherapie nicht jedes Pferd zu stabilisieren. Chronische Enteritiden mit irreversibler Schädigung der Darmwand sind tierärztlich anspruchsvoll und prognostisch belastet.
Ursachen sind häufig Fütterungsfehler (verdorbenes Heu, abrupte Futterwechsel, Mykotoxine), Stress, bakterielle Infektionen (z. B. Salmonellen, Clostridien), virale Auslöser (Equines Coronavirus), Parasitenbefall und Medikamentenfolgen. Die tierärztliche Abklärung mit Kot- und Blutdiagnostik ist hier zwingend.
Durchfall und Kotwasser
Durchfall (Diarrhoe) und Kotwasser (FFWS – Free Fecal Water Syndrome) werden häufig gleichgesetzt, sind aber zwei unterschiedliche Phänomene. Beim Durchfall ist die gesamte Kotkonsistenz dünn. Beim Kotwasser kommt zusätzlich zum geformten Kot Flüssigkeit ab, die das Pferd auf Schenkeln und Schweif verschmutzt. Beide Phänomene haben überschneidende, aber nicht identische Ursachen.
Beim echten Durchfall ist die gesamte Darmflora gestört oder die Darmschleimhaut so massiv entzündet (wie oben bei der Enteritis beschrieben), dass der Dickdarm kaum noch Wasser resorbieren kann. Ursachen:
- Akute Infektionen: Bakterien (Salmonellen, Clostridien) oder Viren (Equines Coronavirus).
- Schwere Fütterungsfehler: plötzliche, radikale Futterumstellungen oder die Aufnahme von verfaultem, schimmeligem Futter.
- Medikamente: Antibiotika, die auch die nützlichen Darmbakterien treffen.
Was Kotwasser von Durchfall unterscheidet, welche Ursachen besonders häufig sind, was die Studienlage sagt und wie Fütterung, Haltung und Stress zusammenspielen, behandeln wir ausführlich in einem eigenen Ratgeber.
→ Kotwasser beim Pferd – Ursachen, Hintergründe, Begleitung
Die wichtigsten Ursachen im Alltag
Fütterungsfehler – die häufigste Quelle
Bei den meisten Koliken und im Großteil der EGUS-Fälle spielen fütterungsbedingte Faktoren eine zentrale Rolle. Die wichtigsten Muster:
- Lange Fresspausen – Stunden ohne Rohfaser erhöhen das Magengeschwürrisiko. Empfehlung: Heu möglichst durchgehend verfügbar.
- Hohe Kraftfuttermengen pro Mahlzeit – Stärke, die im Dünndarm nicht vollständig verdaut wird, gelangt in den Dickdarm und löst dort Fehlgärungen aus. Deshalb kleine Portionen, auf mehrere Mahlzeiten verteilt.
- Abrupte Futterwechsel – das Mikrobiom braucht Zeit, um sich auf ein neues Futter einzustellen. Plötzliche Umstellungen lösen Dysbiosen aus. Wir strecken jeden Futterwechsel über mindestens zwei Wochen.
- Schlechte Heuqualität – Schimmel, Mykotoxine, verholzte Pflanzenteile, überständiges Heu. LUFA-Heuanalysen sind bei Risikopferden eine sinnvolle Investition.
- Wechselbeweidung auf nährstoffreichen Weiden – bei intensivem Sonnenschein und gleichzeitig niedrigen Temperaturen sowie nach Trockenperioden steigt der Zucker- und Fruktangehalt im Gras, und mit ihm das Gaskolik-Risiko.
- Sandaufnahme auf abgefressenen Weiden oder bei Fütterung auf sandigem Boden ohne Unterlage.
- Wassermangel – ein Großpferd trinkt täglich mehrere Eimer Wasser, im Sommer und bei Arbeit deutlich mehr. Tränkversorgung und Wassertemperatur sind oft unterschätzt.
Haltung und Bewegung
Das Steppentier Pferd ist auf permanente, niedrigschwellige Bewegung ausgelegt. In freier Wildbahn legt es täglich viele Kilometer zurück. In moderner Haltung ist diese Bewegung oft auf wenige Stunden Auslauf reduziert.
In der Fachliteratur wird für Paddock- und Aktivstallhaltung ein geringeres Kolikrisiko beschrieben als für reine Boxenhaltung. Bewegung fördert die Darmmotilität, verbessert die Durchblutung im Bauchraum und reduziert die Gefahr von Verstopfungskoliken.
Die Haltungsempfehlung muss nicht zwingend „Offenstall um jeden Preis" lauten. Eine Box mit angeschlossenem Paddock und mehrfach täglich Auslauf kann ebenso funktionieren – entscheidend ist die Bewegungsmöglichkeit über den Tag verteilt, nicht eine einzelne lange Trainingseinheit.
Stress und psychische Belastung
Stress ist beim Pferd kein „Psychothema" – er wirkt biochemisch. Erhöhtes Cortisol verändert die Darmmotilität, beeinflusst die Schleimhautdurchblutung und schwächt die Darmbarriere. Chronischer Stress fördert die Geschwürentstehung, kann Durchfall und Kotwasser auslösen und Allergiebereitschaft erhöhen.
Stress hat beim Pferd viele Gesichter: sozialer Stress in der Herde (Rangkämpfe, Verdrängen vom Futter, instabile Herde), häufige Pferdebewegungen am Stall, ein wenig einfühlsamer Reiter, abrupte Umstellungen (Stall- oder Besitzerwechsel), unregelmäßige Fütterungszeiten, lange Boxenphasen, Schmerzbelastung durch andere Erkrankungen, laute Geräusche, Gewitter, Turnierbelastung. Was beim einzelnen Pferd Stress auslöst, ist individuell verschieden. Aufmerksame Beobachtung ist hier wichtiger als jede pauschale Empfehlung.
Symptome erkennen – frühe und späte Warnzeichen
Magen- und Darmprobleme zeigen sich beim Pferd oft unspezifisch. Die folgende Übersicht hilft, Frühzeichen ernster zu nehmen:
- Häufiges Gähnen, Leerkauen – mögliche Hinweise auf Magenschleimhautentzündung
- Unangenehmer Maulgeruch – kann auf gestörte Magenfermentation hinweisen
- Sensibilität beim Gurten, beim Putzen am Bauch – mögliche Schmerzzeichen
- Konditionsverlust, Abmagerung trotz normaler Fütterung – Resorptionsstörung im Dünndarm möglich
- Auffälliger Kot – zu trocken, zu feucht, unverdaute Futterbestandteile, Schleim, Blut
- Veränderter Appetit, wählerisches Fressverhalten
- Häufiges Scharren, Flehmen, Umschauen zum Bauch – kolikartige Symptome ernst nehmen
- Plötzliche Rittigkeitsprobleme, Verhaltensänderungen – Schmerz oft erst spät als solcher erkannt
Bei jedem unklaren Verlauf gehört die tierärztliche Abklärung dazu. Naturheilkundliche Begleitung ersetzt keine veterinärmedizinische Diagnostik.
Warum der Darm im Zentrum vieler Pferdethemen steht
Im Tierheilkundezentrum Nehls schauen wir bei vielen Krankheitsbildern, die scheinbar nichts mit Verdauung zu tun haben, zuerst auf den Magen-Darm-Trakt. Das ist keine Mode, sondern hat einen guten Grund: Der Darm ist mehr als ein Verdauungsorgan. Er ist Resorptionsfläche, Schleimhautbarriere, Standort des Mikrobioms, größtes Immunorgan und über die Darm-Hirn-Achse mit dem vegetativen Nervensystem verbunden.
Ein großer Teil der Immunzellen des Körpers liegt in oder um die Darmschleimhaut – das sogenannte GALT (Gut Associated Lymphoid Tissue). Ist die Darmbarriere gereizt, entzündet oder das Mikrobiom verschoben, hat das Konsequenzen, die weit über die Verdauung hinausgehen können:
- Haut und Fell: Wenn die Entgiftungswege Leber und Darm überlastet sind, kann die Haut kompensatorisch als Ausscheidungsorgan einspringen. Hautreaktionen, Juckreiz und Allergiebereitschaft können hier ihren Hintergrund haben – das diskutieren auch Tierheilpraktiker-Fachgremien explizit für Themen wie das Sommerekzem.
- Stoffwechsel und Hufe: Dysbiose mit hohen Endotoxinwerten (LPS – Lipopolysaccharide aus Zellwänden bestimmter Bakterien) wird in der Hufrehe-Forschung als ein möglicher Triggerfaktor für die Lamellenentzündung diskutiert.
- Atemwege: Die Schleimhäute von Darm und Bronchien stehen in immunologischer Verbindung. Eine instabile Darmbarriere kann mit erhöhter Allergiebereitschaft der Atemwegsschleimhäute einhergehen.
- Verhalten und Stressregulation: Die Darm-Hirn-Achse beeinflusst über den Vagusnerv und über Mikrobiom-Stoffwechselprodukte das Verhalten – ein Pferd mit chronischer Darmreizung kann auch im Umgang gereizter und nervöser sein.
Wichtig: Das ist keine Pauschalbegründung nach dem Muster „immer ist der Darm schuld". Es ist eine zusätzliche Perspektive, die dann hilfreich ist, wenn die Standardtherapie nicht greift oder Symptome immer wiederkehren. Wer aber den Darm nicht mitbetrachtet, übersieht häufig den entscheidenden Hebel. Genau hier setzen wir mit unserer naturheilkundlichen Begleitung an – nicht statt, sondern ergänzend zur tierärztlichen Versorgung.
Säureblocker beim Pferd – warum wir anders begleiten
Sobald ein EGUS-Befund vorliegt, wird in der Pferdemedizin meist Omeprazol verordnet – ein Protonenpumpenhemmer, der die Magensäureproduktion drosselt. Das ist bei akuten, schmerzhaften Geschwüren oft sinnvoll und manchmal alternativlos. Was wir aber in der Beratung immer wieder sehen: Omeprazol wird oft monatelang gegeben, ohne dass das eigentliche Problem – die Fütterung und das Management – konsequent geändert wird. Das Geschwür heilt unter dem Säureblocker ab. Nach dem Absetzen kommt es wieder. Und wieder. Und wieder.
Das Nehls-Argument: Säureblocker behandeln ein Symptom, nicht die Ursache. Ein Pferd, das den ganzen Tag steht, lange Fresspausen hat, Stärke pro Mahlzeit über der Toleranzschwelle bekommt und unter Stallstress steht, wird auch nach dem dritten Omeprazol-Zyklus wieder Geschwüre bekommen. Aus 26 Jahren Praxis: Die nachhaltige Strategie ist die unbequeme – Heumenge erhöhen, Fresspausen verkürzen, Kraftfutterportionen halbieren, Stress am Stall ehrlich anschauen. Das ist kein Naturheilkunde-Dogma, das ist Pferdephysiologie. Säureblocker können den Akut-Schmerz nehmen und Zeit schaffen, in der das Management umgebaut wird. Aber sie ersetzen das Umbauen nicht.
Ob und wie lange Ihr Pferd ein Medikament bekommt, entscheidet Ihr Tierarzt. Setzen Sie ein verordnetes Präparat nicht eigenmächtig ab.
Im Alltag – die wichtigsten Stellschrauben
Heu zuerst, dann alles andere
Die Grundlage einer pferdegerechten Fütterung ist gutes Heu in ausreichender Menge; wie viel, richtet sich nach dem Körpergewicht. Bei leichtfuttrigen Pferden kann eine Heunetz-Lösung sinnvoll sein, um die Fresszeit zu strecken, ohne die Menge zu erhöhen. Bei Sportpferden ist Heu vor Kraftfutter Pflicht – Magensäure bei leerem Magen plus Kraftfutter ist eine der häufigsten EGUS-Konstellationen.
Kraftfutter – wenn, dann sinnvoll
Die meisten Freizeitpferde benötigen keine größeren Kraftfuttergaben. Wer Kraftfutter füttert: kleine Portionen, mehrere kleine Mahlzeiten statt einer großen. Stärkearme Müslis sind in vielen Fällen besser als reines Getreide.
Wasser sicherstellen
Frisches, sauberes Wasser jederzeit verfügbar – Selbsttränken regelmäßig kontrollieren. Im Winter darauf achten, dass Wasser nicht zufriert. Im Sommer und bei Arbeit erhöhter Bedarf.
Mineralfutter – passend zur Heuanalyse
Heu allein deckt selten den vollständigen Mineralstoffbedarf. Ein qualitativ hochwertiges Mineralfutter ohne Melasse und ohne synthetische Zusatzstoffe gehört zur Grundversorgung. Welches zur Lage Ihres Pferdes passt, klären wir im kostenlosen Erstgespräch.
Bewegung – täglich und kontinuierlich
Mindestens mehrere Stunden Auslauf täglich, idealerweise mit Sozialkontakt. Lange Boxenphasen ohne Auslauf erhöhen das Kolikrisiko.
Stressreduktion – soweit umsetzbar
Stabile Herdenkonstellation, geregelte Fütterungszeiten, ruhiger Umgang, individuell passende Auslastung. Stressquellen lassen sich nicht alle vermeiden, aber die meisten reduzieren.
Nehls Magen-Vet für Pferde
Getrocknete Kräutermischung, trocken, angefeuchtet oder als Tee. Wann dieses? Wenn der Magen das Thema ist und die tierärztliche Behandlung läuft. 50 g täglich, mindestens acht, besser zwölf Wochen; zum Einstieg 500 g.
→ Nehls Magen-Vet für Pferde ansehenNehls Attis & Sunnys Magen & Darm Fit
Getrocknete Kräutermischung ohne synthetische Zusätze. Wann dieses? Wenn die Verdauung in Phasen wie Futterwechsel oder Anweiden empfindlich reagiert. Zunächst 50 g täglich, später 30 bis 40 g; zwölf Wochen als Einstieg, danach auch dauerhaft.
→ Attis & Sunnys Magen & Darm Fit ansehenNehls Darm Balance Pferd
Kräutermischung im 2,5-kg-Gebinde. Wann dieses? Für eine Fütterungsphase von sechs Wochen am Stück rund um den Darm, 30 g täglich. Die Mischung enthält Schwarzkümmel: Bei Pferden mit Allergie oder Equinem Asthma setzen wir sie nicht ein.
→ Nehls Darm Balance ansehenTurnierpferde: Für alle drei Mischungen gilt eine Karenz von 7 Tagen.
Die VetLine – drei Regeln für die Basis
Wenn Verdauungsthemen kein einmaliges Ereignis sind, sondern ein Muster, arbeiten wir an der Basis. Die VetLine hat Tierärztin Katrin Knecht entwickelt. Wir halten dabei drei Regeln ein.
- Surf and Turf Basic Mineral läuft immer mit. Ganzjährig, als tägliche Mineralbasis. Für Pferde, bei denen auf Hefezellwände verzichtet werden soll, gibt es die Sensitive-Variante.
- Entero Clean Liquid oder Powder – immer zusammen mit Entero Clean Basic. Flüssig oder Pulver ist Geschmacksfrage des Pferdes, Basic gehört in beiden Fällen dazu. Als fertiges Set: das Entero Clean Duo Aktiv.
- Metabo Rapid – immer zusammen mit Entero Clean Basic. Metabo Rapid bringt im Stoffwechsel etwas in Bewegung, Basic bindet im Darm, was dabei anfällt. Nie das eine ohne das andere. Als Set: das Metabo Rapid Duo Aktiv.
Wann dieses? Wenn Sie an der Basis ansetzen wollen statt am einzelnen Symptom. Der einfachste Einstieg ist das VetLine Starter-Set Pferd mit Surf and Turf, Entero Clean Liquid und Entero Clean Basic für die ersten sechs Wochen. Turnierpferde: Bei Entero Clean Liquid und Powder 48 Stunden Karenz einplanen.
Welche dieser Lagen auf Ihr Pferd zutrifft, gehen wir im kostenlosen Erstgespräch mit Ihnen durch: Fütterung, Haltung, Vorgeschichte. Telefonisch unter 05642 988 8826, Mo–Fr 9–12 und 14–17 Uhr.
Häufige Fragen zu Magen und Darm beim Pferd
Erfahrungen aus der Praxis
Erfahrungen einzelner Pferde sind individuell und nicht übertragbar. Was bei einem Pferd passt, passt beim nächsten nicht – genau deshalb arbeiten wir individuell. Bei jedem Kolikverdacht und bei anhaltenden Verdauungsproblemen gilt: tierärztlich abklären lassen.
„Mein Tinker hatte über Jahre Kotwasser. Heuanalyse, Mineralfutter angepasst, Stressquellen reduziert, dazu die Kräuter aus dem THZ – nach etwa drei Monaten war das Bild komplett anders. Was vorher als ‚das ist halt so' hingenommen wurde, war auflösbar, als wir den Darm konsequent betrachtet haben."
Tinker-Wallach, 11 Jahre, Begleitung über mehrere Monate
„Mein Warmblut hatte EGUS, das war per Magenspiegelung gesichert. Wir haben die Fütterung konsequent umgestellt – mehrere kleine Mahlzeiten, Heu vor Kraftfutter, deutlich weniger Stärke pro Mahlzeit. Mit Magen-Vet als Begleitung über die Schmerzphase hinaus war die Kontrollspiegelung nach acht Wochen deutlich besser. Den Stress am Stall mussten wir auch angehen, ohne das wäre es nicht stabil geworden."
Warmblut, 14 Jahre, EGUS-Begleitung
„Mein Friese hatte immer wieder Gaskoliken im Frühjahr – jedes Mal Klinik, jedes Mal Sorge. Mit Heuanalyse, Anweide-Plan und der VetLine über mehrere Wochen vor der Weidesaison sind wir jetzt das zweite Jahr ohne Kolik. Das war für uns ein Wendepunkt."
Friese, 9 Jahre, Begleitung im Frühjahrsmanagement
Verdauungsthemen, die nicht zur Ruhe kommen?
Manche Halter rufen bei uns an und sagen mit halbem Lachen: „An so Hokuspokus glaube ich eigentlich nicht, aber ich weiß nicht mehr weiter." Wir nehmen das nicht persönlich – im Gegenteil. Wenn Fütterung und Haltung optimiert sind und trotzdem immer wieder Themen auftauchen, lohnt der Blick auf die individuelle Lage. Die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" macht individuelle Belastungsfelder sichtbar und ist die Grundlage für den Begleitplan, den Tatjana Siebert und unser Team mit Ihnen für genau dieses Pferd aufstellen. Für uns ist sie ein Werkzeug, keine Wahrheit. (Nicht wissenschaftlich anerkannter Informationstest – ersetzt keine tierärztliche Diagnose.)
Lieber zuerst reden? Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo wir bei Ihrem Pferd anfangen – telefonisch unter 05642 988 8826.
Zur „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" →Wenn der Magen-Darm-Trakt im Gleichgewicht ist, ändert sich oft auch das, was auf den ersten Blick nichts damit zu tun hat. Wer tiefer einsteigen möchte, findet diese Themen in eigenen Ratgebern:
- → Sommerekzem beim Pferd – Darm-Immunsystem-Haut-Achse
- → Hufrehe beim Pferd – Darm, LPS und Lamellenentzündung
- → Allergie beim Pferd – Darm-Schleimhaut-Achse
- → Atemwege beim Pferd – Schleimhautimmunität
